Die Anlage an der Turnhalle Gesau – ein Objekt des Bürgervereines

Der am 6.Juni 1914 gegründete Turnverein Vater Jahn nutzte zunächst den Gasthofes Erbschänke als Vereinslokal und ab 1920 den des Schönburger Hofes als Sportstätte. Da in Gesau noch keine richtige Sportanlage zur Verfügung stand, pachtete der nach dem Krieg wieder recht aktiv gewordene Verein vom damaligen Besitzer des Louisenhofes Oswin Röger ein Gelände unterhalb des Angerberges und konnte es am 15. Mai 1925 unter günstigen Bedingungen käuflich erwerben.

 

 

In mühevoller Handarbeit schufen die Vereinsmitglieder einen nahezu ebenen Sportplatz. Die ersehnte Turnhalle entwarf der Glauchauer Architekt Rudolf Macht als Mehrzweckhalle mit Bühne, Vereinsräumen und einer Wohnung. Oswald Augustin leitete als Polier den Bau.
Für die Zimmererarbeiten übernahm Paul Fehrmann die Leitung.

Am 2. Oktober 1926 konnte das Richtfest gefeiert werden. Bis dahin waren bereits
11236 Arbeitsstunden geleistet worden. Die Ausgabe von Anteilscheinen und Kredite bei der Stadtbank und der Aktienbrauerei Zwickau-Glauchau schufen die Geldmittel zum weiteren Ausbau. Wesentlich waren aber die Arbeitsleistungen der Mitglieder. Fast 40 000 Arbeitsstunden waren es insgesamt, als man für den 21. und 22. Juni 1930 die Einweihung planen konnte. Der Turnbetrieb war in der teilweise vollendeten Halle schon vorher aufgenommen worden. Wegen eines Wahltermines musste die Einweihungsfeier auf das Wochenende vom 1. bis 3. August 1930 verschoben werden.

 

„Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit“ stand damals über der Bühne.

Vereinsvorsitzender war zu dieser Zeit Oskar Jacob. Leider konnte sich der Verein nicht lange am Besitz der Halle erfreuen. Bald nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Deutschland wurde der Gesauer Verein „Vater Jahn“ wie alle Arbeiterturnvereine verboten und sein Eigentum eingezogen. In den folgenden Jahren dienten Gelände und Gebäude als Bannschulungsheim und für besondere Veranstaltungen der Hitler-Jugend. Dazu wurde ein Schießstand errichtet und eine Baracke als Notunterkunft angebaut.

Völlig artfremd kam im 2. Weltkrieg die Nutzung als Unterkunft für Armeeeinheiten und als Übungs- und Exerzierfläche der Polizei hinzu.
Bald nach Kriegsende fanden sich einige „alte“ Turner zusammen und trieben gemeinsam mit Interessierten wieder Sport. Es bildete sich auch die Fußballmannschaft „Glauchau-West“.

Die Bühne wurde willkommene Stätte für Aufführungen des Gesangvereines und der Schule. Obwohl Halle und Sportplatz nicht nahe an der Schule lagen, boten sie günstige Möglichkeiten für den Sportunterricht. Mehrere Jahre konnten die übrigen Räume sogar den Schulhort aufnehmen.

Nachdem von der Stadt beschlossen worden war, die Wilhelm-Stolle-Schule aufzugeben, erklärte der Bürgerverein für Gesau, Höckendorf
und Schönbörnchen sein Interesse daran, wenigstens die bis dahin für den Schulsport genutzte Anlage für die Ortschaft als Kulturstätte zu erhalten.
Eine Vereinbarung zwischen dem Verein und der Stadtgemeinde Glauchau regelt die Nutzung und die Übertragung aller Verbindlichkeiten. Den hohen Pachtbetrag erstattet die Stadtgemeinde dem Verein als Förderung.

 

 

Inzwischen sind in der Regie des Vereines das Dach und die Fenster modernisiert worden. Die Anstriche der Halle wurden erneuert und das Vereinszimmer rekonstruiert. Nahe des Einganges ist ein Parkplatz geschaffen worden. Durch Sachleistungen von Förderern konnten Wege und die Rasenfläche in einen wesentlich verbesserten Zustand versetzt werden. Eine entscheidende Veränderung war das Ausbauen des früher schon als Sanitärtrakt geplanten Nebengebäudes, das vom Träger 1990 im Rohzustand belassen worden war. Toiletten, Umkleide- und Duschräume sind dort bis 2006 neu entstanden. Ein angebauter Verbindungsgang ermöglichte es, die Bühne zur weiteren Nutzung zu erhalten. Ohne Zuwendungen des Ortschaftsrates wäre die Arbeit wesentlich langsamer vorangegangen oder. manches hätte wohl auch nur in deutlich einfacherer Form errichtet werden können.
Dadurch wurden auch die Erneuerung des Hallenbodens und Umbauten zur Schaffung eines Küchenraumes ermöglicht.
Bei allen Maßnahmen ist ein großer Wertezuwachs durch den Einsatz von Vereinsmitgliedern und weiteren Helfern erreicht worden. Besonders wertvoll ist der völlig neu geschaffene doppelten Beach-Volleyball-Platz.
Ohne besondere Veranstaltungen wären die laufenden Kosten vom Bürgerverein nicht zu tragen, deshalb ist auch wie bisher immer wieder der Einsatz vieler ehrenamtlicher Helfer und das Interesse vieler Einwohner erforderlich.

 

>> Frischekur für den Haupteingang der Turnhalle